Kurze Texte, lange Texte

"Ihr Text ist viel zu lang. Den liest ja keiner. Leute lesen lange, ausführliche Texte nicht." Derartiges hören Texter immer wieder. Interessant dazu die Ausführungen von Jay Conrad Levinson, einem Autor einschlägiger Marketing-Literatur:

...Das ist einer der gefährlichsten, kostspieligsten und dümmsten Mythen im Marketing. Die Menschen lesen lange Bücher, lange Artikel, lange Briefe. Sie lesen, was immer sie interessiert, und je mehr das der Fall ist, desto mehr wollen sie davon...

Wenn Ihnen ein Angebot unterbreitet wird, erhoffen Sie sich genügend Informationen, um vor dem Kauf – oder dem Nichtkauf – eine sachkundige Entscheidung zu treffen. Wenn Sie ungenügend informiert sind, werden Sie nicht kaufen. Versorgen Sie die Menschen mit mehr Mitteilungen als notwendig, und sie werden wahrscheinlich kaufen oder auch nicht. Halten Sie diese Informationen jedoch schon vorher zurück, werden sie sicherlich nicht kaufen...

Ein altes und wahres Marketingsprichwort besagt: Je mehr Sie erzählen, desto mehr verkaufen Sie. Was Verbraucher am Marketing ablehnen, ist mangelnde und unzureichende Information. Dieser Punkt steht an zweiter Stelle. Übertroffen wird er von dem Gefühl, getäuscht worden zu sein, das bei der Bewertung auf
Platz 1 liegt...

Diejenigen, die sich damit beschäftigen, was angeboten wird, wollen soviel wie möglich darüber wissen. Verwehren Sie ihnen nicht diese Information. Auf entsetzlichste Weise wird dieser Mythos in Broschüren mit kurzem Text angewandt. Broschüre sind das ideale Medium für lange Texte. Man erwartet von ihnen, dass sie auf Einzelheiten eingehen. Die Interessenten fordern sie gewöhnlich an oder nehmen sie mit, weil sie Informationen wollen. Aber leider kommen wissbegierige Interessenten bei vielen Broschüren mit einigen, wenigen schönen Bildern und  ein paar Absätzen Prosa zu kurz. Broschüren müssen als Chance zum Verkauf behandelt werden und dürfen nicht versteckt und unbenutzt vor sich hinschlummern...

Weil einige Computer-Firmen eine Grundregel Marketings übersahen: Klare Aussagen – wurde ihr Marketing nur von ihren Konkurrenten, ihren Angestellten und ihnen selbst verstanden – nicht aber von ihren potenziellen Kunden, die keine Computerexperten sind und daher das Fachchinesisch...

Es ist keine Frage, das freie Flächen den ästhetischen Reiz von Drucksachen erhöhen. Aber es gibt weit intelligentere Wege, teuren Marketingraum ästhetisch zu nutzen, als ihn unausgefüllt zu lassen.